Fairer Kaffeehandel – was bedeutet fair bei Kaffee?
„Fairer Kaffee“ klingt erst einmal ziemlich eindeutig. Ist es aber nicht.
Denn zwischen dem Preis einer Tasse Kaffee bei uns und dem Einkommen eines Kaffeeproduzenten liegen Anbau, Ernte, Aufbereitung, Export, Transport, Import und Röstung.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
Was kostet der Kaffee? Sondern auch:
Wer bekommt welchen Anteil davon und wie nachvollziehbar ist die Lieferkette?
Genau deshalb interessieren uns bei carabica Qualität, Herkunft und Handel gleichermaßen.
Fair Trade, Fairtrade und Direct Trade – was ist der Unterschied?
Die Begriffe werden häufig durcheinandergeworfen.
Fairtrade bezeichnet ein konkretes Zertifizierungssystem mit definierten Standards. Für zertifizierten Kaffee gelten unter anderem Mindestpreise und eine zusätzliche Fairtrade-Prämie für die Produzentenorganisation.
Fairer Handel ist dagegen ein allgemeiner Begriff. Er kann sehr unterschiedliche Handelsmodelle beschreiben und ist nicht automatisch mit einer bestimmten Zertifizierung verbunden.
Und dann gibt es noch Direct Trade.
Was bedeutet Direct Trade bei Kaffee?
Direct Trade ist kein gesetzlich geschützter und kein einheitlich zertifizierter Standard.
Es gibt keine zentrale Prüfstelle und kein verbindliches Regelwerk, das für jede Rösterei festlegt, wann ein Kaffee als Direct Trade bezeichnet werden darf.
Im engeren Sinn beschreibt Direct Trade den direkten Einkauf von Rohkaffee bei einem Produzenten, einer Farm oder einer Kooperative.
Das kann Vorteile haben:
- kürzere Handelswege
- direkteren Austausch zwischen Käufer und Produzent
- bessere Informationen über Herkunft und Qualität
- individuelle Preisvereinbarungen
- langfristige Handelsbeziehungen
Aber: „Direct Trade“ allein garantiert weder einen bestimmten Preis noch bestimmte Arbeitsbedingungen.
Deshalb ist uns die konkrete Lieferkette wichtiger als das Etikett.
Wenn wir einen Kaffee als Direct Trade bezeichnen, soll nachvollziehbar sein, welche direkte Handelsbeziehung dahintersteht.
Bei Kaffees, die wir über spezialisierte Rohkaffeeimporteure beziehen, sprechen wir lieber konkret darüber, welche Informationen zu Produzenten, Farm, Aufbereitung und Handelsweg vorliegen.
Ist Direct Trade besser als Fairtrade?
Darauf gibt es keine einfache Antwort. Die beiden Modelle funktionieren unterschiedlich.
Fairtrade arbeitet mit definierten Standards, Mindestpreisen, Prämien und unabhängiger Zertifizierung.
Direct Trade kann dagegen sehr individuelle Beziehungen zwischen Produzenten und Käufern ermöglichen, besitzt aber keinen einheitlichen Standard.
Entscheidend ist deshalb aus unserer Sicht nicht, welches Wort auf der Verpackung steht.
Interessanter sind Fragen wie:
Wer hat den Kaffee produziert? Wie sieht die Lieferkette aus? Welcher Preis wurde auf welcher Handelsstufe bezahlt? Wie langfristig ist die Beziehung? Und welche Informationen können tatsächlich belegt werden?
Der Preis ist wichtig – aber welcher Preis?
Das Problem ist: „Der Preis für Kaffee“ ist keine eindeutige Zahl.
Entlang der Lieferkette gibt es unterschiedliche Preisstufen und genau die werden in der Kommunikation häufig miteinander vermischt.
Ein hoher Rohkaffee-Einkaufspreis der Rösterei bedeutet zum Beispiel nicht automatisch, dass genau dieser Betrag beim Produzenten angekommen ist.
Zwischen Farm und Rösterei können Aufbereitung, Sortierung, Lagerung, Finanzierung, Transport im Ursprungsland, Export, Seefracht, Import, Qualitätskontrolle und weitere Dienstleistungen liegen.
Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Farmgate Price
Der Farmgate-Preis beschreibt vereinfacht den Preis, den ein Produzent auf Farmebene für seinen Kaffee erhält.
Je nach Land und Lieferkette kann ein Farmer zum Beispiel frische Kaffeekirschen, getrockneten natural Coffee, Pergamentkaffee oder bereits weiterverarbeiteten Rohkaffee verkaufen.
Entsprechend unterschiedlich sind auch die Preise. Ein Farmgate-Preis ist deshalb besonders aussagekräftig, wenn zusätzlich klar ist:
Was genau wurde verkauft? In welcher Qualität? In welcher Verarbeitungsstufe? Und in welcher Menge?
FOB Price
FOB steht für „Free on Board“. Der FOB-Preis beschreibt den Wert des exportfertigen Kaffees am Verschiffungshafen.
Bis dahin ist bereits einiges passiert. Kaffee wurde je nach Ursprung aufbereitet, getrocknet, sortiert, gelagert, transportiert, geprüft und für den Export vorbereitet.
Dazu kommen Kosten für Exportorganisation und Logistik. Der FOB-Preis liegt deshalb normalerweise über dem Betrag, den ein einzelner Produzent unmittelbar auf Farmebene erhalten hat.
Wer FOB und Farmgate gleichsetzt, vergleicht zwei unterschiedliche Dinge.
Einkaufspreis der Rösterei
Der Preis, den wir als Rösterei tatsächlich für Rohkaffee bezahlen, ist noch einmal eine andere Zahl. Wenn wir über einen spezialisierten Importeur einkaufen, enthält dieser Preis beispielsweise Leistungen für:
- Einkauf und Finanzierung des Rohkaffees
- Qualitätskontrolle und Cupping
- Export und Import
- Seefracht und weitere Logistik
- Lagerung
- Versicherung
- Finanzierung des Warenbestands
- teilweise auch Beratung und Zusammenarbeit mit Produzenten
Das sind reale Leistungen, die Geld kosten. Ein Importeur ist deshalb nicht automatisch ein „unnötiger Zwischenhändler“. Entscheidend ist vielmehr, welche Aufgabe er übernimmt und wie transparent die Lieferkette bleibt.
Warum Preisvergleiche schnell schiefgehen
Angenommen, wir bezahlen für einen Rohkaffee 10 Euro pro Kilogramm. Dann wäre die Aussage
„Der Produzent bekommt 10 Euro pro Kilogramm“
in vielen Fällen schlicht falsch.
Genauso wenig kann man aus einem hohen Endkundenpreis automatisch ableiten, dass entsprechend viel Geld beim Farmer angekommen ist.
Umgekehrt bedeutet ein niedrigerer Farmgate-Preis nicht zwingend, dass ein Kaffee unfair gehandelt wurde – etwa wenn unterschiedliche Verarbeitungsstufen miteinander verglichen werden.
Deshalb sind Preisangaben für uns erst dann wirklich interessant, wenn klar ist:
Welcher Preis? Für welches Produktstadium? Zu welchem Zeitpunkt? Und wer hat ihn erhalten?
Der Börsenpreis ist trotzdem wichtig
Auch der internationale Rohkaffee-Börsenpreis spielt eine Rolle. Er beeinflusst große Teile des weltweiten Kaffeehandels und bildet für viele Marktteilnehmer einen wichtigen Referenzwert.
Für hochwertige Specialty Coffees können darüber hinaus Aufschläge bezahlt werden, beispielsweise für Qualität, bestimmte Varietäten, Aufbereitung, Herkunft oder besonders kleine Lots.
Wenn Qualität einen messbaren zusätzlichen Wert bekommt, kann Kaffee stärker über seine Besonderheiten und weniger ausschließlich über den niedrigsten Marktpreis verkauft werden.
Aber auch hier gilt: Ein hoher Preis auf irgendeiner Handelsstufe ist noch kein Beweis dafür, dass beim Produzenten automatisch genug ankommt.
Kleine Lieferketten können helfen – Transparenz hilft mehr
Eine kurze Lieferkette ist grundsätzlich interessant. Aber wenige Zwischenstationen sind nicht automatisch besser.
Ein guter Spezialitätenkaffee-Importeur kann beispielsweise Qualitätskontrolle übernehmen, Kaffee vorfinanzieren, Logistik organisieren, Produzenten über Jahre begleiten und der Rösterei detaillierte Informationen zur Herkunft liefern.
Für uns lautet die Frage deshalb Welche Aufgabe übernimmt jeder Beteiligte und welchen Wert schafft er?
Deshalb arbeiten wir sowohl mit direkten Beziehungen als auch mit spezialisierten Rohkaffeeimporteuren.
Entscheidend ist für uns, dass wir verstehen, woher ein Kaffee kommt und wie die Lieferkette aufgebaut ist.
Was kannst du als Kaffeetrinker beachten?
Wenn du wissen möchtest, wie transparent ein Kaffee gehandelt wurde, kannst du ein paar einfache Fragen stellen:
- Wird nur das Herkunftsland genannt – oder auch Farm und Produzent?
- Gibt es Informationen über Aufbereitung und Kooperative?
- Ist ein Fairtrade- oder anderes Zertifikat tatsächlich angegeben?
- Wird bei „Direct Trade“ erklärt, was damit gemeint ist?
- Werden konkrete Preise genannt und steht dabei, ob es sich um Farmgate, FOB oder den Einkaufspreis des Rösters handelt?
Je genauer die Antworten werden, desto weniger muss man sich auf schöne Begriffe verlassen.
Fairer Kaffeehandel ist kein fertiger Zustand
Wir haben nicht auf jede Frage eine perfekte Antwort. Und wahrscheinlich wird es die im internationalen Kaffeehandel auch nie geben. Was wir tun können:
besseren Kaffee suchen, Herkunft sichtbar machen, Informationen hinterfragen und dort konkreter werden, wo Daten verfügbar sind.
Für uns gehört das genauso zu Specialty Coffee wie Rösten, Cupping und die perfekte Extraktion.
Denn am Anfang jeder Tasse steht ein Mensch, der Kaffee angebaut hat.
Und diese Arbeit verdient nicht nur Respekt.
Sie verdient Wert.
Häufige Fragen zu fairem Kaffeehandel
Ist Fairtrade dasselbe wie fairer Handel?
Nein. Fairtrade ist ein konkretes Zertifizierungssystem mit definierten Standards, Mindestpreisen und zusätzlichen Prämien für Produzentenorganisationen.
Der Begriff fairer Handel ist deutlich allgemeiner. Er kann unterschiedliche Handelsmodelle beschreiben – mit oder ohne Zertifizierung.
Deshalb sollte man immer genauer hinschauen:
- Gibt es ein anerkanntes Siegel?
- Welche Kriterien gelten?
- Wer kontrolliert sie?
- Und auf welcher Handelsstufe greifen diese Regeln?
Ein Kaffee kann fair gehandelt sein, ohne Fairtrade-zertifiziert zu sein. Umgekehrt sagt ein Fairtrade-Siegel etwas über die Einhaltung des jeweiligen Standards aus, aber nicht automatisch über jede einzelne soziale oder ökologische Eigenschaft des Kaffees.
Ist Direct Trade zertifiziert?
Nein. Direct Trade ist kein gesetzlich geschützter Begriff und kein einheitlicher Zertifizierungsstandard.
Es gibt keine zentrale Organisation, die für alle Röstereien festlegt, wann ein Kaffee als Direct Trade bezeichnet werden darf.
Im engeren Sinn meint Direct Trade einen besonders direkten Einkauf zwischen Röster oder Importeur und Produzent, Farm oder Kooperative.
In der Praxis wird der Begriff aber unterschiedlich verwendet. Deshalb finden wir wichtiger, die konkrete Lieferkette zu erklären:
- Wer handelt mit wem? Wie lang ist die Beziehung?
- Welche Informationen liegen zu Produzent, Qualität und Preis vor?
- Und gibt es konkrete Kriterien, nach denen die Zusammenarbeit funktioniert?
Bedeutet Direct Trade automatisch höhere Preise für Kaffeebauern?
Nein. Eine direkte Handelsbeziehung kann individuell verhandelte Preise und langfristigere Beziehungen ermöglichen. Sie kann auch dafür sorgen, dass Käufer und Produzenten enger über Qualität, Ernte und Aufbereitung zusammenarbeiten.
Aber: Direct Trade garantiert keinen bestimmten Preis.
Und selbst ein hoher Preis auf einer Handelsstufe bedeutet nicht automatisch, dass beim Produzenten entsprechend viel ankommt.
Deshalb sind konkrete Angaben zu Farmgate-, FOB- oder Einkaufspreisen aussagekräftiger als das Wort Direct Trade allein.
Ist Specialty Coffee automatisch fair gehandelt?
Nein. Specialty Coffee beschreibt zunächst die besondere Qualität und den höheren Wert eines Kaffees im Markt.
Dazu können sensorische Qualität, Herkunft, Varietät, Aufbereitung und besondere Lots gehören. Ein Specialty Coffee kann über eine sehr transparente und langfristige Lieferkette gehandelt werden.
Er kann aber auch über mehrere Handelsstufen laufen. Deshalb sollte man Qualität und Handelsmodell nicht miteinander verwechseln.
Was Specialty Coffee aus unserer Sicht interessant macht, ist die Möglichkeit, Qualität stärker zu differenzieren und dadurch Preise jenseits des klassischen Commodity-Marktes zu erzielen.
Ob daraus tatsächlich ein höheres Einkommen für Produzenten entsteht, hängt aber von der konkreten Lieferkette und den Produktionskosten ab.
Warum ist Kaffeequalität für Produzenten wichtig?
Weil Qualität einen zusätzlichen wirtschaftlichen Wert schaffen kann. Ein Produzent, der einen besonders hochwertigen Kaffee erzeugt, kann Zugang zu Käufern bekommen, die bereit sind, für diese Qualität mehr zu bezahlen.
Das kann zum Beispiel bei kleinen Lots, besonderen Varietäten, sehr sauberer Aufbereitung oder außergewöhnlicher Sensorik der Fall sein.
Aber: Hohe Qualität ist keine Einkommensgarantie. Wenn Produktionskosten sehr hoch sind, Erträge niedrig ausfallen oder der zusätzliche Preis nicht ausreichend beim Produzenten ankommt, kann die Rechnung trotzdem schlecht aussehen.
Deshalb sehen wir Qualität als Chance – nicht als automatische Lösung.
Was ist wichtiger: Fairtrade oder Direct Trade?
Das lässt sich nicht allgemein beantworten. Fairtrade und Direct Trade verfolgen unterschiedliche Ansätze.
Fairtrade arbeitet mit definierten Standards, Mindestpreisen, Prämien und unabhängiger Zertifizierung.
Direct Trade kann direktere, individuellere Beziehungen zwischen Käufer und Produzent ermöglichen, besitzt aber keine einheitlichen Standards.
Beides kann sinnvoll sein.
Für uns ist deshalb nicht entscheidend, welcher Begriff auf der Verpackung steht, sondern was konkret dahinter passiert.
Kann man am Verkaufspreis im Café erkennen, wie viel der Produzent bekommt?
Nein. Der Preis einer Tasse Kaffee enthält sehr viele andere Kosten: Röstung, Personal, Miete, Energie, Milch, Maschine, Logistik, Steuern und vieles mehr.
Ein teurer Cappuccino bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der Produzent einen besonders hohen Preis erhalten hat.
Umgekehrt sagt ein günstiger Endkundenpreis allein ebenfalls nichts über den Farmgate-Preis aus.
Wenn du wissen möchtest, wie viel beim Produzenten ankommt, brauchst du konkrete Informationen zur Rohkaffee-Lieferkette.
Ist ein hoher Rohkaffee-Einkaufspreis der Rösterei automatisch fair?
Nein. Ein hoher Einkaufspreis kann ein gutes Zeichen sein, sagt aber allein noch nicht genug aus.
Wenn eine Rösterei beispielsweise 12 Euro pro Kilogramm Rohkaffee zahlt, kann darin bereits viel enthalten sein: Import, Finanzierung, Lagerung, Qualitätskontrolle, Logistik und Marge des Importeurs.
Deshalb ist die entscheidende Frage: Wie setzt sich dieser Preis zusammen und wie viel davon kommt tatsächlich beim Produzenten an?
Genau deshalb unterscheiden wir auf dieser Seite zwischen Farmgate, FOB und dem Einkaufspreis der Rösterei.
Braucht fair gehandelter Kaffee immer ein Siegel?
Nein. Ein Siegel kann Standards und Kontrolle schaffen und damit Orientierung geben.
Aber es ist nicht die einzige Möglichkeit, einen Kaffee mit nachvollziehbarer Handelsbeziehung zu kaufen.
Es gibt auch Produzenten, Farmen oder Kooperativen, die ohne bestimmte Zertifizierung sehr transparente und langfristige Beziehungen zu Käufern pflegen.
Wichtig ist aus unserer Sicht nicht nur, ob ein Siegel vorhanden ist, sondern welche konkreten Informationen über Produzent, Preis, Qualität und Lieferkette verfügbar sind.